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Newsletter 15 – August 2008

 

Liebe LeserInnen,

heute erhalten Sie wieder aktuelle Informationen aus der Arbeit des GeM Projektes:

Soeben erschienen: Handreichung 3 "Gender Mainstreaming in der Praxis: Zwei Projektbeispiele aus dem ESF in Baden- Württemberg"

Worum geht es? Zu Beginn der Arbeit im Projekt „Gender Mainstreaming im ESF in Baden Württem-berg“ wurde uns immer wieder gesagt, dass man sich theoretisch zwar durchaus vorstellen könne, was mit Gender Mainstreaming gemeint sei. Die konkrete Umsetzung in ESF Projekten sei jedoch völlig unklar. Manchmal war durchaus der Zweifel spürbar, ob das Konzept denn mit dem Leben der real existierenden Projekte überhaupt etwas zu tun habe. Daher war uns daran gelegen, möglichst praxisnah die Integration der Gleichstellungsstrategie – denn das bedeutet ja Gender Mainstreaming – aufzuzeigen. Dies traf sich mit dem Interesse in einigen Modell-Arbeitskreisen, die mit uns gemeinsam GeM im ESF in BW erprobten, denn auch sie hatten großes Interesse daran zu erfahren, wie es in den ESF-Projekten weitergeht, nachdem der AK sie „bewilligt“ hat.

Mit dem Ziel, selbst auch Anregungen für ihre weitere Arbeit zu bekommen, waren zwei Träger bereit, ihre Projekte begleiten zu lassen. Wir möchten uns noch einmal ausdrücklich bei den Arbeitsförde-rungsbetrieben Karlsruhe und den Heidelberger Diensten für die Aufgeschlossenheit, die vertrauens-volle Zusammenarbeit sowie für die Bereitschaft, mit dieser Dokumentation die eigene Arbeit auch öffentlich zur Diskussion zu stellen, bedanken.

In den Dokumentationen wird

  • die Planung und die Durchführung von Gender Mainstreaming in den Projekten veranschaulicht, was bereits in den Anträgen recht unterschiedlich war;
  • dargestellt, wie die Umsetzung verlief und was im Hinblick auf die Gleichstellung der Geschlechter tatsächlich passiert ist und welche Schwierigkeiten zu überwinden waren.

Wir hoffen, dass möglichst viele Träger hieraus Anregungen für die Planung und Gestaltung von Pro-jekten im Bereich Übergang Schule – Beruf gewinnen können, denn auch in der Förderperiode 2007 – 2013 wird ja in diesem Bereich in BW ein Schwerpunkt gesetzt.
(Gender Mainstreaming in der Praxis: Zwei Projektbeispiele aus dem ESF in Baden- Württemberg, pdf 1,8 mb)

 

ESF Arbeitskreise entwickeln Arbeitsmarktstrategien zur regionalen Umsetzung des Operationellen Programms (OP) des ESF

Seit November 2007 ist das OP von der EU Kommission bewilligt und muss nun – wegen der Regionalisierung des ESF im Bereich des Sozialministeriums – in regionale bzw. lokale „Programme“ heruntergebrochen werden. Diese sog. Arbeitsmarktstrategien sollen grundsätzlich für drei Jahre aufgelegt werden, allerdings mit mehr oder weniger grundlegenden jährlichen Anpassungen. Auf Basis der Ziele des OP wählen die ESF Arbeitskreise ihre Schwerpunkte und definieren damit auch, welche Projekte von den Trägern gewünscht werden.

Dies ist eine neue Aufgabe insbesondere für die ESF Arbeitskreise aber auch ein gemeinsamer Lernprozess für alle Beteiligten, da BW ja zum 1. Mal ein eigenes ESF OP hat. Daher wurden vom Sozialministerium verschiedene Unterstützungsmaßnahmen aufgelegt. Neu ist, dass die hierzu erstellte Arbeitshilfe und die speziellen Fortbildungen konsequent die gleichstellungspolitischen Ziele und Aufgaben, wie im OP festgelegt, integrieren. Dazu war eine intensive Zusammenarbeit zwischen dem ESF Scout von Steria Mummert Consulting mit dem Gender Mainstreaming Coaching – Begleitprojekt von pro Innovation GmbH und dem ifm (Institut für Mittelstandforschung, Universität Mannheim) nötig.

Arbeitshilfe und Fortbildungen folgen den bewährten 4 Schritten, beginnend mit der Analyse der Ausgangsbedingungen über die Formulierung von Zielen über die Beschreibung der Umsetzungsstrategien bis zur Überprüfung der Zielerreichung/Evaluation. Die Arbeitshilfe hat verschiedene Anlagen, darunter eine Checkliste, in der die jeweils benötigten Daten den einzelnen spezifischen Zielen zugeordnet wurden. Dies unter Berücksichtigung der jeweiligen gleichstellungspolitischen Querschnittsziele. Grundlage sind hier die vom ifm erstellten geschlechterdifferenzierenden Arbeitsmarktanalysen, die in Form von Tabellenbänden zur Verfügung stehen. Für die sog. Modell-AK im Projekt gem-esf-bw wurden darüber hinaus Stärken- und Schwächenprofile erstellt und Empfehlungen formuliert. An einem Beispiel – das ebenfalls als Anlage beigefügt ist – wurde aufgezeigt, wie man von den Daten zur Analyse und zur Ermittlung von Handlungsbedarfen gelangt.

Für die Geschäftsführungen der ESF Arbeitskreise wurden Fortbildungen entwickelt und erprobt. Die ersten beiden Seminare fanden am 21. und am 23. April statt. In diesen Fortbildungen

  • wurde über die Anforderungen, die Inhalte und Struktur der regionalen Arbeitsmarkstrategien, abgeleitet aus den strategischen und spezifischen Zielen des OP, informiert,
  • anhand des Beispiels Ravensburg wurde die Interpretation der regionalen Arbeitsmarktdaten im Hinblick auf eine Bestimmung des jeweiligen Handlungsbedarfs gezeigt und verdeutlicht, welche Entscheidungen in Bezug auf die für die Region relevanten spezifischen Ziele und Zielgruppen zu treffen sind;
  • wurde umfassend erläutert, wie es dabei gelingt, das Querschnittsziel Gleichstellung der Geschlechter systematisch in die regionale Strategie zu integrieren;
  • ging es des Weiteren darum, wie die strategische regionale „ESF-Politik“ durch entsprechende Maßnahmen der Ausschreibung und Qualitätssicherung (z.B. Beratung von Trägern, Bewertungskriterien für Projektanträge sowie deren Ranking mit integrierten Gleichstellungsanforderungen) gegenüber potenziellen Projektträgern mit konkreten Projektanträgen umgesetzt werden kann.

Die Ergebnisse und Erkenntnisse aus der oben geschilderten Entwicklungsarbeit, der Anwendung der Instrumente und aus den Fortbildungen sind u.a. bereits in die konkrete Unterstützungsberatung der Arbeitskreise Ravensburg, Heidelberg, Karlsruhe und Mannheim (die Modell-AK im Projekt gem-esf-bw sind) bei deren Strategieausarbeitung eingeflossen. Die Unterstützungsberatung wurde wiederum von den genannten Institutionen gemeinsam bestritten.

Die Geschäftsführungen der bisher teilnehmenden ESF-Arbeitskreise, egal ob sie „nur“ die Fortbildung nutzten oder weiterführende Beratungen in diesem Prozess in Anspruch nahmen, schilderten die Schulungen zur Arbeitsmarktstrategie-Entwicklung mit integriertem Querschnittsziel Gleichstellung der Geschlechter als wirkungsvoll und nützlich. Außerdem wurde betont, dass die Fortbildung auch der Kommunikation der ESF-Strategie in BW insgesamt dient. Allerdings wurde bemängelt, dass bei nur eintägigen Seminaren die Teilnehmenden nicht alle 4 Schritte bearbeiten konnten.

Daher haben Steria Mummert, proInnovation gGmbH und ifm das Konzept der Fortbildungen entsprechend der inhaltlichen, methodischen und zeitlichen Hinweise weiterentwickelt und mit dem Ministerium für Arbeit und Soziales BW weitere Seminare vereinbart. Hiermit sollen die Geschäftsführungen von ESF AK, die noch nicht an den Fortbildungen teilgenommen haben, die Möglichkeit dazu im September 2008 bekommen – dann in einer zweitägigen Veranstaltung, die sich zudem mit dem Thema Ranking beschäftigt. (Die genauen Inhalte und Termine für die 2-tägige Fortbildung erhalten Sie rechtzeitig von der Fondsverwaltung).

 

Europäische Anerkennung: Projekt gem – esf – bw in Warschau als good practice bei einer Peer Review zur Diskussion gestellt
Oder: Was ist eigentlich das Besondere?

„Auffällig geworden“ war Baden – Württemberg durch das im Ländervergleich recht konsequent „gegenderte“ Operationelle Programm. Es folgte eine Einladung einer Präsentation im Dezember 2007 auf eine bundesweite Fachkonferenz, die unter Beteiligung einiger Bundesministerien in Berlin stattfand. Dort „entdeckte“ eine Sachverständige (Senior Gender Equality Expert Suzanne Seeland), die seit vielen Jahren die EU Kommission berät, die baden – württembergische Umsetzung von Gender Mainstreaming als europäische good practice, woraufhin eine Einladung nach Polen (Juni 2008) kam.

Veranstalterin der Warschauer Konferenz war die „Gender Mainstreaming Community of Practice” http://www.gendermainstreaming-cop.eu/home, in der ESF Programmbehörden mit Gleichstellungsstellen und -expertInnen, politischen EntscheidungsträgerInnen etc. – finanziert von der EU Kommission - zusammenarbeiten. Die Tagung war als Peer Review organisiert – diese Methode stellte eine neue Erfahrung für uns dar. Dabei wird jeweils ein Arbeitsansatz als good practice vorgestellt und „peers“ kommentieren aus ihrer Sicht die in der Präsentation genannten Erfolgsfaktoren und Probleme und prüfen die Übertragbarkeit des Modells für ihr Land oder ihre Region.

Schon die Vorbereitung war recht spannend, galt es doch herauszuarbeiten, was das Besondere an der baden-württembergischen GeM-Implementierungsstrategie im Unterschied zu den anderen europäischen Modellen ist. In Warschau wurde dann letztlich zweierlei als besonders originell identifiziert:

  1. das Coaching und
  2. die prozesshafte Umsetzung unter Beteiligung aller Akteursgruppen des ESF.

Zu 1. Neue Lernformen

Fortbildungen und Trainings sind wohl neben Checklisten und Leitfäden die am häufigsten eingesetzten Umsetzungshilfen für GeM. Hier haben wir in BW ja auch nicht „nur“ allgemeine Einführungs- und Sensibilisierungsworkshops zu bieten, sondern auch erprobte und thematisch gezieltere Seminare zur „Gender Didaktik“ und zu „Gender Mainstreaming im Projektmanagement“. Aber wirklich ein-zigartig sind wohl die Einzel- und Gruppencoachings, die zudem mit allen AkteurInnen des ESF durchgeführt werden, u.a. mit ESF AK Geschäftsführungen oder ganzen Arbeitskreisen, mit Trägervertretungen und Mitarbeitenden der L-Bank bis hin zur Fondsverwaltung selbst – und dies strikt bedarfs- und bedürfnisbezogen, also wirklich als konkrete Umsetzungshilfe. Wir setzen durchgängig das „Leitprinzip Gender Mainstreaming in 4 Schritten“ ein und halten dieses Instrument für besser handhabbar als viele andere Instrumen-te, die in Europa zum Einsatz kommen. Allerdings ist letztlich das Instrument selbst nicht das Wichtigste. Ob ein Instrument (richtig) genutzt wird, und somit Gender Mainstreaming umgesetzt wird, hängt aber davon ab, dass die Anwendung immer wieder unter Begleitung von erfahrenen Gender ExpertInnen geübt wird – und eben dies leisten wir in den Coachings.

Zu 2.: GeM als „geplanter Wandel“

Auch wenn überall vom Gender Mainstreaming PROZESS die Rede ist und die Warschauer Tagung ebenfalls einem Modell des Change Managements folgte, so wird die Umsetzung doch offenbar bisher nirgends wirklich als Prozess gestaltet. Daher traf unser (gesteuertes) 4-Phasen-Modell auf sehr großes Interesse, auch bei den anderen als peers geladenen ReferentInnen (Fondsverwal-tung/Technische Hilfe Polens und Frankreichs und nationale EQUAL Agentur Portugals). Schnell wurde allerdings auch die Komplexität sichtbar, die es schwer macht, den Ansatz in kurzer Zeit hinreichend differenziert zu beschreiben. Aber nicht nur GeM Prozesse, sondern alle Veränderungsprozesse sind komplex (vergleichbar sind z.B. die Einführung von Qualitätsmanagementsystemen, von Öko-Audits, die Verwaltungsmodernisierung etc.) und werden durch den Einsatz von entsprechenden Verfahren erst handhabbar. Dies erfordert auch bei GeM eine langfristige Verpflichtung, denn der Transfer von Erfahrungen und Erkenntnissen muss auch über mehrere ESF-Förderperioden hinweg gewährleistet werden.

Leider ist auch hier nicht der Raum, um das Modell ausführlich zu beschreiben, mehr Informationen finden Sie in unseren Berichten und in der Projektdokumentation. Nach der Warschauer Erfahrung ist unser Blick für das Wesentliche an den baden-württembergischen Erfolgen bei der Umsetzung von GeM im ESF noch einmal deutlich geschärft worden und wir werden uns bemühen, diese in Zukunft noch deutlicher zu machen. Die Diskussion mit Mitarbeitenden von ESF Fondsverwaltungen und Technischen Hilfen, mit Gender ExpertInnen aus anderen Ländern, mit Mitarbeitenden und externen ExpertInnen der EU-Kommission über sehr konkrete Umsetzungsfragen war sehr anregend. Wir wünschen uns, dies im Rahmen von transnationalen Arbeitsansätzen in Zukunft häufiger nutzen zu können. Ende des Artikels Wir wünschen eine spannende Lektüre und freuen uns über Rückmeldungen aller Art.

Beste Grüße Ihr Gender Team von proInnovation GmbH

 

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Brigitte Maas c/o pro Innovation GmbH
Liebknechtstraße 33
70565 Stuttgart
brigitte.maas@proinnovation.de

Amtsgericht Stuttgart HRB 24776 Geschäftsführung: Brigitte Maas

 

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