Leitbilder sind allgegenwärtig. Sie prägen das Recht aber auch das Verhalten on Gruppen und Individuen, wenn auch nicht immer bewusst. Aber dies geschieht nicht einseitig, denn veränderte Rechtsgrundlagen können ihrerseits neue Leitbilder hervorrufen und die Lebensentwürfe und – entscheidungen von größeren Gruppen der Bevölkerung können den herrschenden Leitbildern entgegenstehen und sie damit langfristig auch verändern. Also gibt es ein stetes Wechselverhältnis zwischen Normen und Werten und gelebter Realität. Aber weder die Leitbilder noch die Lebensrealität sind homogen. Dennoch können die Geschlechterverhältnisse – in Wunsch und Wirklichkeit – nach verschiedenen zentralen Merkmalen unterschieden werden.
Modell |
Merkmale |
|
Erwerbsarbeit/Soziale Sicherung |
Sorgearbeit |
Staatliche Interventionen – gesellschaftliche Rahmenbedingungen |
Ernährermodell Varianten:
|
- Männer beziehen Einkommen und Sozialleistungen, die auch den Lebensunterhalt der Frauen sichern
- Niedrige Müttererwerbsquote
- Soziale Sicherung von Frauen nicht eigenständig
- Horizontale und vertikale Segregation
- Entgeltdifferenz
|
- (scheinbar) privat von Frauen geleistet
|
- Stützung des Modells durch Steuer- und Sozialpolitik, z.B. :
- Ehegattensplitting
- Unzureichende Betreuungseinrichtigungen
- Sorgearbeit gilt als Privatsache, als Aufgabe "der Familie"/Frauen
- Geschlechterhierarchie
- Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung
- traditionelle Geschlechterrollenbilder, Abwertung "weibl. Arbeit" und Werte
|
- Modernisierte Hausfrauenehe
|
- Frau ist Zuverdienerin und/oder Drei-Phasen-Modell
- Soziale Sicherung in Teilen abgeleitet
- Segregation und Entgeltdifferenz wie oben
|
- Sorgearbeit wird weit überwiegend von Frauen geleistet
|
- Wie oben, ggf. in abgeschwächter Form
|
Adult worker model |
- Alle haben das Recht und die Pflicht den Lebensunterhalt durch Erwerbsarbeit zu sichern
- Hohe Müttererwerbstätigkeit, auch in Vollzeit
- Soziale Sicherung ist individualisiert
|
keine klaren Aussagen |
Egalitarian model Gleichstellung von Mann und Frau |
- Gleiche wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen und Männern
- Hohe Müttererwerbstätigkeit, auch in Vollzeit
- Soziale Sicherung ist individualisiert
- Keine Segregation, keine Entgeltdifferenz
|
Gleiche Verteilung von unbezahlter Sorgearbeit zwischen Männern und Frauen |
- Sozial- und Steuersysteme sind individualisiert
- Leitbild sieht Sorge als gesellschaftliche Aufgabe vor
- Umfassendes Betreuungssystem und Förderung der Vereinbarkeit
- Keine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, keine Geschlechterhierarchie
|