Alle Planungs- und Arbeitsprozesse, die Qualitätsmindeststandards entsprechen, folgen eigentlich ohnehin immer vier Schritten, wenn auch mehr oder weniger explizit: Zunächst wird ein Bedarf oder ein Problem definiert und in einem 1. Schritt wird die Ausgangslage analysiert. Dann wird geklärt, was mit dem Vorhaben oder Projekt oder in einer bestimmten Zeitspanne erreicht werden soll, welche Ergebnisse bzw. Problemlösungen erwartet werden, im 2. Schritt werden also Ziele formuliert. Dann muss überlegt werden, wie diese Ziele zu erreichen sind und woran man die Zielerreichung messen kann (Indikatoren), im 3. Schritt werden dann entsprechende Maßnahmen, Aktivitäten, Projekte, Umsetzungsschritte vorgesehen. Schon während der Umsetzung, spätestens aber nach Abschluss des Vorhabens muss geprüft werden, ob bzw. inwieweit die Ziele erreicht wurden, der 4. Schritt besteht mithin in der Auswertung, der Evaluation.
Dieses Vorgehen ist vielen Fach- und Führungskräften bereits aus dem Projektmanagement bekannt und somit eine gute Basis für das „Gendern“. Dies erfolgt „integriert“, d.h. es gibt keinen zusätzlichen Punkt „Gender“, sondern in den o.g. 4 Schritten werden jeweils die geschlechtsspezifischen Unterschiede aufgearbeitet.
Die 4 Schritte sind durchaus auch für „AnfängerInnen“ beim „Gendern“ empfehlenswert. Allerdings – und hier kommt das große ABER – kann das beste Instrument die ggf. fehlende Gender Kompetenz der AkteurInnen nicht ersetzen. Man kann aber trotzdem beginnen und wird im Prozess merken, wo Gender Wissen und Können noch fehlen.
Sind Maßnahmen noch in der Planung, so bedeutet Gender Mainstreaming (GeM) eine Form der Folgenabschätzung. Da sich die Lebenslagen und Lebenswelten von Jungen und Mädchen, von Männern und Frauen noch immer stark unterscheiden, muss in der Planung die - voraussichtlich – unterschiedliche Wirkung der Maßnahme auf die Geschlechter bewertet werden, um Benachteiligung zu vermeiden.
In der laufenden Facharbeit bedeutet GeM, systematisch die unterschiedlichen Prioritäten, Bedürfnisse und Situationen von Frauen und Männern zu erfassen und zu berücksichtigen – mit dem Ziel der tatsächlichen Gleichstellung der Geschlechter. Systematisch vorgehen heißt, methodisch zu verfahren und sich entsprechender Instrumente zu bedienen.
Eine der wesentlichen Neuerungen, die mit dem Gender Mainstreaming in die Gleichstellungspolitik kamen besteht darin, dass die Gleichstellung der Geschlechter nicht mehr (nur) Ressortpolitik ist, sondern in allen Politikfeldern verankert wird.
„GeM ist die gezielte Mobilisierung aller allgemeinen Politiken und Maßnahmen zur Verwirklichung der Gleichstellung“
Hier sehen wir sozusagen die Indienstnahme aller Ressorts für die Gleichstellungspolitik: so kommt Gender in den Mainstream. Im Unterschied zu einem „additiven“ Ansatz, bei dem es ein gesondertes Kapitel zum Thema Gleichstellung der Geschlechter gibt und die übrigen Kapitel keine Aussagen dazu machen, ist die Berücksichtung der Genderperspektive beim „integrativen“ Ansatz eine Querschnittsaufgabe:
„Gender Mainstreaming bedeutet, dass in allen Phasen des politischen Prozesses – Planung, Durchführung, Monitoring und Evaluation – der Geschlechterperspektive Rechnung getragen wird. Ziel ist die Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern. Nach dem Gender-Mainstreaming-Konzept sind politische Maßnahmen stets daraufhin zu prüfen, wie sie sich auf die Lebenssituation von Frauen und Männern auswirken, und gegebenenfalls neu zu überdenken. (EU KOM 2006)
Das Instrument „Leitprinzip Gender Mainstreaming in 4 Schritten“, dient dazu, die Geschlechterperspektive in allen Politikfeldern und in allen Phasen einzunehmen.
Handreichung 3: Gender Mainstreaming in der Praxis: Zwei Projektbeispiele aus dem ESF in Baden- Württemberg (pdf 1,6 mb)
Eine der zentralen Aufgaben des ersten Coaching – Begleitprojektes war die „Entwicklung und Umsetzung von GeM -Methoden und –instrumenten. Zu Beginn hatten wir daher die bis dahin bekannten Instrumente gesichtet und AkteurInnen zur Handhabbarkeit befragt. Wir haben selbst mit mehreren Varianten von Arbeitshilfen in vielen Workshops zu den unterschiedlichsten Fachthemen und Vorhaben experimentiert und nach unseren Erfahrungen und Erkenntnissen sind die „4 Schritte “ (Leitfaden "Die 4 GeM Schritte"; pdf, 92 kb) am besten zu handhaben und beinahe universell einsetzbar.